NEW WORK

Ein kurzer Überblick

Autor: Steffen Griesel, Business Trainer & Agile Coach 


Was ist New Work?

Das Schlagwort „New Work“ wurde schon vor vielen Jahren von dem Sozialphilosophen Frithjof Bergmann geprägt. Er entwickelte in den 1980er Jahren angesichts der damaligen Entlassungswelle bei General Motors eine alternative Arbeitsweise, die gegen das herkömmliche Konzept der Lohnarbeit gerichtet ist. 

Bergmann schwebt ein dreigeteiltes Arbeitsmodell vor, das je zu einem Teil aus der bisher üblichen Erwerbsarbeit besteht, zu einem weiteren Teil aus sinnvoller Beschäftigung - eine Tätigkeit, die man wirklich will - und schließlich zum dritten Teil aus Selbstversorgung, die alle Möglichkeiten moderner Technologie nutzt, das sogenannte „High Tech Self Providing“.

Der Begriff „New Work“ wird heute in einem allgemeinen Sinne verwendet und bezeichnet den fundamentalen Wandel der Arbeitswelt im Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft. In der Wissensökonomie gewinnt die erfolgskritische Ressource des Wissens gegenüber den anderen Produktionsfaktoren an Bedeutung. 

Trotz zahlreicher New-Work-Ansätze bleiben die Ideen von Frithjof Bergmann hoch aktuell. Mit der fortschreitenden Deindustrialisierung wird das herkömmliche Konzept der Lohnarbeit mehr und mehr in Frage gestellt. 

Durch die Digitalisierung der Arbeitswelt werden wieder Arbeitsweisen möglich, die mit der Industrialisierung an Bedeutung verloren hatten. Das Arbeitsleben vor der Industriellen Revolution war geprägt von überwiegend zeitlich selbstbestimmter und dezentraler Tätigkeit, die sich meist im familiären Kontext oder in überschaubaren Arbeitsgemeinschaften abspielte. 

Ein fester Arbeitsplatz, der in einem klar definierten zeitlichen Rahmen aufgesucht wird, um eine vorgegebene Tätigkeit auszuführen, passt zu Fabrik und Büro, aber nicht zu einem digitalen Business, das in realen und virtuellen Workspaces von der Kreativität der High Potentials lebt. 

Die industriell geprägte Auffassung von Arbeit hat nur noch wenig mit der digitalen Arbeitswelt zu tun. Digitale Arbeit muss weder Nine to Five noch am Unternehmensstandort stattfinden. Work und Life sind kein Widerspruch mehr. 

Arbeit ist für New Worker*innen ein Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. In den Arbeitsprozess werden die persönlichen Talente, Kompetenzen und Fähigkeiten eingebracht. So generiert Arbeit nicht nur Einkommen, sondern auch Sinn und Bedeutung, also Werte die bei New Worker*innen höher im Kurs stehen als Geld und Status. 


Was ändert sich für Unternehmen?

Die neue Arbeitskultur zeigt sich in den Unternehmen auf vielfältige Weise: Bestehende Führungs- und Hierarchiestrukturen werden überdacht, Arbeitsplätze umgestaltet und Arbeitszeiten flexibilisiert.

Durch den Einsatz digitaler Technologie sind Mitarbeiter*innen nicht mehr an einen bestimmten Arbeitsplatz im Unternehmen oder vorgegebene Arbeitszeitfenster gebunden. Mit der Digitalisierung ist dezentrales Arbeiten möglich geworden: Egal, ob im Coworking Space, Home Office oder per Desk Sharing im Unternehmen. 

Herkömmliche Arbeitsplätze und Bürolandschaften werden durch New Workspaces abgelöst, die je nach Bedarf der Mitarbeiter*innen und Teams eine Vielzahl an flexiblen und offenen Arbeitswelten vorhalten. 

Manchmal sind dafür große und offene Räume nötig, die Begegnung und Austausch fördern. Das können aber auch versteckte Kommunikationsecken für die intensive Diskussion im kleinen Kreis sein oder der Ruhebereich für das konzentrierte Arbeiten.

Genauso wie sich die Arbeitsplätze verändern, werden auch die Arbeitszeiten mehr und mehr variabel gestaltet. Die Arbeitszeiten passen sich einerseits den neuen Anforderungen des digitalen Arbeitens an, wenn beispielsweise virtuelle internationale Teams über Zeitzonen hinweg zusammenarbeiten, anderseits eröffnen sich mit flexibleren Arbeitszeiten neue Chancen auf eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. 

Wenn die Flexibilität bei der räumlichen und zeitlichen Ausgestaltung der Arbeit steigt, ist zugleich ein erhöhtes Maß an Selbstorganisation und Eigenverantwortung auf Seiten der Mitarbeiter*innen nötig. Das wiederum wirkt sich unmittelbar auf die traditionellen Führungs- und Hierarchiestrukturen aus.  

Die verstärkte Beteiligung der Mitarbeiter*innen an Entscheidungsprozessen wird zum neuen Standard. Führungskräfte sind weniger als Vorgesetzte, sondern mehr als Coaches ihrer Mitarbeiter*innen gefragt, indem sie deren Potenziale erkennen und entwickeln. 

Aufgaben werden weniger in den klassischen Abteilungen, sondern immer öfter in fluiden Projektteams erledigt. Damit sind temporäre interdisziplinäre Teams in wechselnder Zusammensetzung gemeint, die jeweils für eine spezielle Aufgabenstellung innovative Lösungen erarbeiten.


Wie sieht die agile Arbeitskultur aus?

New Work ist mehr als ein Hype. Die fortschreitende Digitalisierung erfordert eine agile Arbeitskultur. Zusammenarbeit auf Augenhöhe, Netzwerkstrukturen statt Hierarchie sowie Selbstorganisation der Teams sind nur einige wenige Beispiele dafür, wie New Worker*innen arbeiten.

Agilität bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sich Unternehmen ganz und gar der Kund*innenorientierung verschreiben, um schnell und flexibel auf neue Kund*innenanforderungen oder Veränderungen im Marktumfeld reagieren können. 

Zu diesem Zweck werden in der Produktentwicklung iterative und inkrementelle Methoden eingesetzt, die schon während der Entwicklungszyklen anhand funktionsfähiger Zwischenprodukte rasche Verbesserungen durch qualifiziertes Kund*innenfeedback ermöglichen, bis schließlich ein passgenaues Endprodukt zur Verfügung steht.

Die beiden derzeit wohl beliebtesten agilen Arbeitsmethoden zielen auf das Projekt- und Innovationsmanagement der Unternehmen: „Scrum“ und „Design Thinking“.

Scrum ist eine agile Methode für Softwareentwicklungsprozesse. Mittlerweile wird Scrum aber auch über die Softwareentwicklung hinaus als Rahmenwerk bei den unterschiedlichsten Entwicklungsprojekten eingesetzt, insbesondere solchen, die sich durch komplexe Anforderungen auszeichnen. 

Design Thinking wiederum ist eine Methode, die sich daran orientiert, wie Designer neue Produkte entwerfen. Das Design Thinking benennt die einzelnen Schritte dieses Arbeitsprozesses und wird seit Anfang der 90er Jahre als Innovationsmethode vermarktet. 

Mit der Anwendung agiler Methoden allein ist es aber nicht getan. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist das passende Mindset der Mitarbeiter*innen. Damit ist eine persönliche Einstellung gemeint, die offen für Veränderung und Weiterentwicklung ist.

Viele gescheiterte agile Initiativen in den Unternehmen lassen sich darauf zurückführen, dass zwar agile Tools und Methoden zur Anwendung kommen, die agilen Werte und Prinzipien aber weder vom Management noch von der Belegschaft verinnerlichen werden.

Diese Werte und Prinzipien kreisen im Kern darum, den menschlichen Faktor im Innovations- und Produktionsprozess zu priorisieren. Das gilt sowohl für die Kund*innenbeziehung als auch für die Interaktion in den Teams.  

Nur wenn es gelingt auf allen Ebenen eine Form der selbstorganisierten Zusammenarbeit zu etablieren, die durch direkte Kommunikation schnell und effektiv z.B. auf Anforderungsänderungen in einem laufenden Projekt reagiert, wird die agile Arbeitskultur erfolgreicher sein als die starre Planungs- und Kontrollbürokratie vergangener Tage. 


Zusammenfassung

  • Der Begriff „New Work“ bezeichnet den fundamentalen Wandel der Arbeitswelt im Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft.


  • Die industriell geprägte Auffassung von Arbeit hat nur noch wenig mit der digitalen Arbeitswelt zu tun. Digitale Arbeit muss weder Nine to Five noch am Unternehmensstandort stattfinden.


  • Wenn die Flexibilität bei der räumlichen und zeitlichen Ausgestaltung der Arbeit steigt, ist zugleich ein erhöhtes Maß an Selbstorganisation und Eigenverantwortung auf Seiten der Mitarbeiter*innen nötig. Das wiederum wirkt sich unmittelbar auf die traditionellen Führungs- und Hierarchiestrukturen aus.  


  • Die verstärkte Beteiligung der Mitarbeiter*innen an Entscheidungsprozessen wird zum neuen Standard. Führungskräfte sind weniger als Vorgesetzte, sondern vielmehr als Coaches ihrer Mitarbeiter*innen gefragt, indem sie deren Potenziale erkennen und entwickeln. 


  • New Work ist mehr als ein Hype. Die fortschreitende Digitalisierung erfordert eine agile Arbeitskultur. Zusammenarbeit auf Augenhöhe, Netzwerkstrukturen statt Hierarchie sowie Selbstorganisation der Teams sind nur einige Schlagworte dafür, wie New Worker*innen arbeiten.


  • Die beiden derzeit wohl beliebtesten agilen Arbeitsmethoden zielen auf das Projekt- und Innovationsmanagement der Unternehmen: „Scrum“ und „Design Thinking“.


  • Mit der Anwendung agiler Methoden allein ist es aber nicht getan. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist das passende Mindset der Mitarbeiter*innen.

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