HOME OFFICE

Arbeiten in den eigenen vier Wänden

Arbeitsmodell Home Office

Das Arbeitsmodell Home Office ist das sichtbare Zeichen dafür, dass in Zeiten der Digitalisierung die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt. 

Am Beispiel des Home Office lässt sich daher sehr gut zeigen, auf welche Schlüsselkompetenzen es bei New Work ankommt: Auf die Fähigkeit zur Selbstführung und Selbstorganisation.

Im Home Office ist jeder auf sich selbst zurückgeworfen. Alle Regeln und Strukturen, die am Arbeitsplatz durch das Unternehmen vorgegeben sind oder die sich informell herauskristallisiert haben, existieren in den eigenen vier Wänden nicht. 

Deshalb kann sich auch nicht jede*r sofort für das Home Office begeistern, denn das bedeutet zunächst, gewohnte Job-Routinen durchbrechen zu müssen. Eine solche Veränderung löst erst einmal Stress aus. 

Home Office bedeutet unterm Strich nichts anderes, als dass man sich selbst so organisieren muss wie ein Unternehmen. Unternehmerisch zu denken ist der Preis dafür, außerhalb eines Unternehmens arbeiten zu können. 

Nicht jede*r aber hat Interesse daran, fortan selbstbestimmt und selbstverantwortlich zu arbeiten. Wie bei jedem Change-Prozess ist daher von den Führungskräften viel Fingerspitzengefühl gefordert, wenn ein neues Arbeitsmodell wie Home Office implementiert werden soll.

Zwar ist es zunächst angenehm, auf Staus oder überfüllte Züge und Busse während der Rushhour zu pfeifen. Auch dem Lärm des Großraumbüros weint sicher keine*r eine Träne nach. Wenn aber die Tage im Home Office unproduktiv dahinziehen, weil sich das familiäre Leben nicht aussperren lässt und die Störungen und Ablenkungen zu Hause denen im Büro in nichts nachstehen, dann ist guter Rat teuer.

Wie also gelingt das Arbeiten im Home Office?

Das ist zunächst eine Frage der Perspektive: Wer ohnehin Wert auf persönliche Freiheit und Flexibilität legt und praktisch überall arbeiten kann, wird auch das Home Office mögen. Wer dagegen an die festen Arbeitszeiten im Büro und das gewohnte kollegiale Umfeld gewöhnt ist, tut sich anfangs sicher schwer mit der neuen Situation. 

Mit den folgenden Tipps und Tricks wird das Home Office aber ganz bestimmt zum Selbstläufer.


Arbeitsplatz einrichten

Zu Beginn stellt sich die Frage nach einem festen Arbeitsplatz in der eigenen Wohnung. 
Wenn das räumlich möglich ist und ein separates Zimmer zum Heimarbeitsplatz umfunktioniert werden kann, hat das den Vorteil, dass sich Störfaktoren wirksam minimieren lassen. 

Anderseits lässt sich mit Laptop und Smartphone fast überall in der Wohnung arbeiten. Ob aber Bett, Couch oder ein sonniger Balkon wirklich das produktive Arbeiten fördern, muss jede*r für sich selbst entscheiden. 

Diese Frage erübrigt sich, wenn ein sogenannter Telearbeitsplatz nach § 2 Abs. 7 der Arbeitsstättenverordnung eingerichtet ist. 

Mit einem Telearbeitsplatz ist der vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplatz im Privatbereich eines Beschäftigten gemeint. 


Zur rechtlichen Regelung der Telearbeitsplätze gehört, dass der Arbeitgeber für die nötige Ausstattung des Home Office zu sorgen hat. Das betrifft sowohl das Mobiliar als auch die Arbeitsmittel einschließlich der Kommunikationseinrichtung, wie z.B. ein Virtual Private Network (VPN).


Über ein VPN wird der Zugriff auf das firmeneigene Intranet geregelt, so dass der Austausch sensibler Daten sowie die Kommunikation mit den Kolleg*innen in der Betriebsstätte auf Basis der gängigen Online-Kommunikations-Tools verschlüsselt erfolgt.

Auch wenn die Grenze zwischen Berufs- und Privatleben im Home Office verschwimmt, kann es ratsam sein, durch Routinen und Rituale eine klare Grenze zu ziehen, um mental immer wieder den Wechsel zwischen Arbeit und Freizeit zu markieren. 

Das gelingt beispielsweise dadurch, dass man auch zu Hause während der Arbeitszeit einen Business-Dresscode pflegt oder den Tag immer so strukturiert als würde man ins Büro gehen.

Wer sich während des Arbeitstages in der Wohnung nichts sehnlicher wünscht, als dem familiären Trubel oder den quirligen Mitbewohner*innen zu entfliehen, um endlich konzentriert arbeiten zu können, sollte es mit Noise-Cancelling-Kopfhörern und seiner Lieblingsmusik versuchen. Das funktioniert im Großraumbüro ja auch ganz gut!


Zeit managen

Wer im Home Office arbeitet, ist zwar zeitlich flexibler und kann sich besser am eigenen Biorhythmus orientieren, das stellt aber anderseits auch eine besondere Herausforderung dar. 

Die Handlungsoptionen im eigenen Heim sind um einiges größer als im Büro: Einen Behördengang erledigen, dem Paketdienst die Tür öffnen, das Kind aus der Kita abholen oder kurz noch für das Mittagessen einkaufen gehen, sind nur einige Beispiele dafür.

Zwar lässt sich Privat- und Berufsleben im Home Office tatsächlich viel besser vereinbaren, aber es braucht auch die Kunst, das eigene Zeitmanagement situativ ausrichten zu können.
 
Starre Zeitpläne funktionieren im Home Office nicht. Es sei denn, du kapselst dich auch zu Hause in einer fest definierten Arbeitszeit völlig ab. Ansonsten kommt es vielmehr darauf an, das Richtige zur richtigen Zeit zu tun. Je nach Situation ändern sich die Prioritäten. 

Ein passendes Tool aus dem agilen Methodenkoffer ist das Kanbanboard, das sich nicht nur für Teamprojekte eignet, sondern auch für das eigene Aufgabenmanagement nutzen lässt. Damit hat man die einzelnen Aufgaben und deren Bearbeitungsstatus stets im Blick und kannst auf wechselnde Anforderungen flexibel reagieren.

Ebenfalls sehr hilfreich für das Zeitmanagement im Homeoffice ist die Pomodoro-Technik. Mit dieser Timeboxing-Methode schafft man sich Zeitinseln höchster Konzentration und Produktivität, um das tägliche Arbeitspensum auch in den eigenen vier Wänden zu stemmen. 

Oft schafft man sogar mehr als geplant. Das haben zumindest Studien zur Arbeit im Home Office ergeben: New Worker*innen arbeiten zu Hause länger als sie müssten, machen weniger Pausen, sind konzentrierter und leistungsfähiger.

 

Kontakt halten

Auch wenn New Worker*innen im Home Office räumlich getrennt von den Kolleg*innen im Büro arbeiten, muss das nicht zwangsläufig heißen, dass alle sozialen Kontakte damit gekappt wären. 

Im Gegenteil: Die digitale Technik macht es möglich, so im Team mitzuarbeiten als wärst du vor Ort, ob per Gruppenchat, Videokonferenz, Teamwork-App oder was die webbasierte Kommunikation sonst noch hergibt. 

Sich kontinuierlich auszutauschen und an allen Meetings virtuell teilzunehmen, sollte oberstes Gebot im Home Office sein, um nicht vom Informationsfluss abgetrennt oder gar zum*zur Außenseiter*in zu werden. 

Die enge virtuelle Anbindung an das Team im Unternehmen kann außerdem die Struktur und den Arbeitsrhythmus im Home Office vorgeben und dabei helfen, die Aufgaben genauso konzentriert zu erledigen wie im Büro.

Vor allem dann, wenn die Motivation im Home Office verloren zu gehen droht, ist der Kontakt zu den Kolleg*innen oftmals Ansporn und Unterstützung, bis zum Erreichen des Projektziels am Ball zu bleiben.

Es ist gerade im Home Office besonders wichtig, den Kontakt zum Team zu halten, regelmäßig Arbeitsergebnisse abzuliefern und immer wieder auf sich aufmerksam zu machen.

Einschlägige Untersuchungen haben ergeben: Obwohl das Leistungsniveau bei Mitarbeiter*innen im Home Office erwiesenermaßen über dem derjenigen im Unternehmensbüro liegt, werden diese bei Beförderung und Gehaltserhöhung bevorzugt behandelt. 

Wer öfter im Home Office sitzt, muss also aufpassen, nicht auf der Karriereleiter abzustürzen!


Arbeitsatmosphäre schaffen

Mit der Zeit spielt sich die Arbeit im Home Office ein und dank der größeren Gestaltungsfreiheit ist es mitunter einfacher als im Büro, eine produktive Arbeitsatmosphäre zu schaffen. 

Wer in den eigenen vier Wänden auf die Kolleg*innen keine Rücksicht nehmen musst, kann schalten und walten wie er will und das Home Office zur Wohlfühloase machen. Vom Geräuschpegel über die Beleuchtung bis zum Raumklima liegt alles in der eigenen Hand und lässt sich nach Belieben regulieren. Ob Ordnung oder kreatives Chaos: Wie der ideale Arbeitsplatz zu Hause aussieht, entscheidet man selbst. Von der Tapete bis zur Zimmerpflanze: Erlaubt ist, was gefällt!

Auch die Pausen können abwechslungsreicher gestaltet werden. Warum nicht mal raus an die frische Luft zum Spaziergang oder einige Fitness-Übungen im Wohnzimmer absolvieren. Sieht ja keiner!

Und wer schon immer genug hatte vom eintönigen Kantinenessen, kann zur Mittagszeit zu Hause selber gesund und schmackhaft kochen. Das gibt neue Energie und macht Laune auf die nachmittäglichen Arbeitseinheiten. 

Wenn die äußeren Rahmenbedingungen stimmen, fällt es leichter sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und in den Arbeitsphasen mit hoher Intensität und Ausdauer die jeweiligen Aufgaben zu erledigen. 

Im besten Fall erlebt man das, was in der Kreativitätsforschung „Flow“ genannt wird. Flow ist ein Zustand höchster Konzentration und totaler Versunkenheit in die Aufgabenstellung. Flow macht glücklich und bringt nicht selten ganz außergewöhnliche Arbeitsergebnisse hervor.


Achtsamkeit üben

Im Gegensatz zu den Befürchtungen mancher Chefs engagieren sich Mitarbeiter*innen im Home Office überdurchschnittlich stark. New Worker*innen müssen daher besonders darauf achten, nicht in die Falle ständiger Betriebsamkeit zu tappen. Denn auch im Home Office gelten die Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes.

Die Fähigkeit zur Selbstführung und Selbstorganisation, die für New Worker*innen eine Schlüsselkompetenz ist, zeigt sich insbesondere darin, auf notwendige Pausen und Erholungsphasen zu achten, um dauerhaft produktiv zu bleiben. 

Zwar ist die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit fließend geworden, aber gerade deshalb muss das Risiko einer Überlastung am heimischen Arbeitsplatz ernst genommen werden.

New Worker*innen sollten deshalb besonders auf innere und äußere Signale achtgeben, damit sie nicht abdriften und unbemerkt in einen Modus der Selbstausbeutung hineingeraten. Arbeitsfreie Zeiten und Zonen sind ungemein wichtig, um das eigene psychische und physische Wohlbefinden aufrecht zu erhalten.

Eine wirksame Methode, dies zu erreichen, besteht darin, sich immer wieder Deadlines für einzelne Aufgaben zu setzen. Da sich Arbeit erfahrungsgemäß immer auf die zur Verfügung stehende Zeit ausdehnt, hat diese Methode der bewußten Begrenzung nicht nur den Vorteil, dass irgendwann auch wirklich Feierabend ist, sondern hilft auch dabei, die Dinge schneller zu erledigen.

Bei allen Vorteilen, die das Home Office mit sich bringt, darf aber nicht vergessen werden, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Selbst die beste elektronische Vernetzung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass echte soziale Interaktion nicht ersetzbar ist. Wer also bemerkt, dass ihm langsam aber sicher die Decke auf den Kopf fällt, sollte schleunigst raus aus der heimischen Einsamkeit und mal wieder bei den Kolleg*innen im Büro vorbeischauen!


Zusammenfassung

  • Home Office bedeutet unterm Strich nichts anderes, als dass du dich selbst so organisieren musst wie ein Unternehmen. Unternehmerisch zu denken ist der Preis dafür, außerhalb eines Unternehmens arbeiten zu können. 


  • Wenn das räumlich möglich ist und ein separates Zimmer zum Heimarbeitsplatz umfunktioniert werden kann, hat das den Vorteil, dass sich Störfaktoren wirksam minimieren lassen. 


  • Starre Zeitpläne funktionieren im Home Office nicht. Es sei denn, du kapselst dich auch zu Hause in einer fest definierten Arbeitszeit völlig ab. Ansonsten kommt es vielmehr darauf an, das Richtige zur richtigen Zeit zu tun. Je nach Situation ändern sich die Prioritäten. 


  • Sich kontinuierlich auszutauschen und an allen Meetings virtuell teilzunehmen, sollte oberstes Gebot im Home Office sein, um nicht vom Informationsfluss abgetrennt oder gar zum*zur Außenseiter*in zu werden. 


  • Mit der Zeit spielt sich die Arbeit im Home Office ein und dank der größeren Gestaltungsfreiheit ist es mitunter einfacher als im Büro, eine produktive Arbeitsatmosphäre zu schaffen. 


  • New Worker*innen sollten besonders auf innere und äußere Signale achtgeben, damit sie nicht abdriften und unbemerkt in einen Modus der Selbstausbeutung hineingeraten. Arbeitsfreie Zeiten und Zonen sind ungemein wichtig, um das eigene psychische und physische Wohlbefinden aufrecht zu erhalten.



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